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Werke - Überblick
Thüringer Meer (Gedichte 1978 bis 1988)
Der Erstlingsband enthält die Mythologie Thüringens in Geologie, Pflanzen- und Tierwelt. Der Leser nimmt teil an Exkursionen in die vorgeschichtliche und mittelalterliche Zeit, entdeckt Thüringen im schöpferischen Konflikt zwischen slawischen Einwanderungen und westlichen Eroberungen. Der Zeitgeist wurde in einigen Epigrammen festgehalten. „Die strenge Ordnung der Verse und Strophen geleitet uns hin zur eigenen Herkunft, macht verständlich, daß Landschaften ein eigenes Schicksal haben, das ihre Bewohner teilen müssen. Mehr noch, die vielschichtigen poetischen Bilder vermitteln, daß Geschichte nicht nur der chronologische Ablauf zufälliger oder notwendiger Ereignisse ist, Anteil haben zugleich Buche und Weißdorn, der Kalk in den Hügelketten und die fruchtbare Erde, auf der einst Erfurt am Ufer des 'dunklen Flusses' erbaut wurde ... Beim Nachempfinden der Gedichte wird uns plötzlich bewußt, daß wir das Wiedererstehen Thüringens einer Legende verdanken, die von den Menschen durch die Wirren der Jahrhunderte hindurch bewahrt wurde, die Legende von der glücklichen Zeit eines kurzlebigen Königreiches zwischen Slawen und Franken und einem sagenumwobenen König Merwig. Mit einer beinahe mystischen Sprache werden die Märkte und Schänken des Mittelalters beschrieben, Hildegard von Bingen findet den Weg zum schöpferischen Wort, und die Erfurter Humanisten verspotten, beim Biere sitzend, doppelzüngig Klerus und Adel. Die Vielgestaltigkeit der Sammlung wird darüber hinaus an dem zugeordneten Zyklus "Die Rabenfibel" deutlich. Lange schon, so glaube ich, ist die Herkunft und tiefere symbolische Bedeutung der deutschen Sprache nicht so eindrucksvoll bezeugt worden.“ (Frank Romeiß, 1991) Edition Arnshaugk, München 1991, ISBN: 3-926370-13-0
Die Reise nach Südost (Gedichte 1988 / 1989)
Die Nachdichtungen aus dem Chinesischen bieten eine Annäherung an das Werk des Dichters Pe-lo-thien (Tang-Dynastie). Der deutsche Dichter zieht sich die Maske des fernöstlichen Künstlers über, entdeckt ihn als seinen Verwandten. - In die Welt des chinesischen Dichters Pe-lo-thien verführten den deutschen Autor die berückenden Bilder aus dem Natur-Bereich, die eine große Gestaltungskraft offenbaren. Dabei lernte er auch die Umstände des Lebens kennen, das der chinesische Dichter führte. So überzeugten auch die Gedichte, in denen das Treiben des Volkes und das Geschehen am Hofe des Kaisers dargestellt wurden. Die Existenz dieses Dichters in ihrem Spannungsbogen zwischen Pflichterfüllung im Staatsdienst und Zurückgezogenheit im buddhistischen Kloster gewannen exemplarische Bedeutung für das Selbstverständnis Joachim Werneburgs.Für seine Beschäftigung mit dem Werk des Poeten nutzte Werneburg die Interlinearübersetzungen August Pfitzmaiers. Auf dieser Grundlage und als Frucht langjähriger Beschäftigung mit der chinesischen Literatur entstanden Dichtungen nach Pe-lo-thien. Als solche sind sie weniger der wörtlichen als der geistigen Gestalt der Verse verpflichtet. Freilich folgt der deutsche Vers getreu dem Rhythmus der Bilder, der für die Chinesen das wesentliche Formelement verkörpert. Die Anordnung der Gedichte orientierte sich an den Lebensstationen Pe-lo-thiens. Edition Arnshaugk, München 1991, ISBN: 3-926370-14-9
Die Schlangenfüßige Göttin (Gedichte 1987 bis 1993)
Mit der "Schlangenfüßigen Göttin" wird die Welt des »Thüringer Meers« auch um Themen fernerer Länder erweitert. Noch auf einer Erhebung bei Erfurt offenbart sich das Geheimnis der Menschen-, vielleicht auch der Vogelsprache ("Der Drosselberg"). "Der Heilige See" erinnert dann an das germanische Heiligtum bei Niederdorla in Nordwestthüringen. Einer Biographie der durch Erfurt fließenden Gera gleicht "Der Dunkle Fluß". Doch die "Gletschermühle" dreht sich bereits in den Hohen Tauern; im oberen Lauf der Ache wirkt der rätselhafte Schalenstein. Zu den Externsteinen, einer markanten Felsformation im Teutoburger Wald, führt ein weiterer Text. "Die Fahrt der Tiere" zeigt die Welt der eiszeitlichen Höhlenmaler; Schamanen stellen mit ihrem Jagdzauber die Frage: Was ist der Mensch? Das Titelgedicht konfrontiert uns mit den Skythen, die als Meister des Tierornaments bekannt sind. Zu dieser Dichtung schuf Walter Werneburg (1922 - 1999), Bildender Künstler und Vater des Autors, vierzehn Farbradierungen; sie sind dem Band (Edition Arnshaugk bei Engelsdorfer, 2009) beigegeben. In der Gedichtfolge »Aus den Haraiti-Gebirge« klingen später Motive aus der Avesta an, dem heiligen Buch der Alten Perser. »Die Orchidee« führt schließlich in das China der Sung-Dynastie, und der Leser steigt aus einer entrollten Papierrolle, "in der Hand eine gelbe Blume". Edition Arnshaugk bei Engelsdorfer, Leipzig 2009, ISBN: 3-86901-164-5
Das Zeitalter der Eidechse (Gedichte 1993 bis 1996) (Rezension)
Der Zyklus "Die Felswand von Lioux" führt in die Provence. Der Kampf des Lichts gegen das Dunkel zeigt sich im Sandstein an der Felswand, aber auch in den Bildern des ungarischen Malers Victor Vasarely, die in der kleinen Stadt Gordes gezeigt werden. Für den Tod des Lichts steht das Schicksal des Troubadours Guilhem de Cabestanh, für die Wiedergeburt dagegen ein Quell in der Kalksteinhöhle. Und Zikaden berichten von der Niederlage der Waldenser, die gegen den Vatikan eine Lichtreligion durchsetzen wollten.Der Titelzyklus "Das Zeitalter der Eidechse" bestellt seine Akteure auf den Riechheimer Berg bei Erfurt. Hier sind – neben der kleinen Echse – Schaf, Hase und ein Maulwurf Träger der Handlung. Deren Wirken deutet - fast schon im Sinne eines Tierkreises - die Menschheitsgeschichte an.Nach Cornwall (Südwestengland) führt die Arbeit „Die Lichter von Lyonesse“. Über vierzehn Stationen durchlebt der Leser die keltische Vorgeschichte der Halbinsel. König Artus und Merlin, Tristan und Isolde, aber vor allem die Natur Cornwalls stehen im Vordergrund dieses Gedichtzyklus. Steinkreise, auch ein Bild William Turners, kommen vor. Goldhelm Verlag, Manebach 2002, ISBN: 3-931101-06-1
Die Klage der Gorgonen (Gedichte 1997 bis 2007) (Rezension)
Der Einstieg in den Gedichtband Joachim Werneburgs erfolgt mit dem Zyklus „Etruskisches Tarot“, der Titel knüpft an das bekannte Kartenspiel an. Geographisch verbleiben die Arbeiten des ersten Kapitels in Mittel- und Süditalien, klassischer Mythos und christliches Mittelalter begegnen sich. Im Abschnitt „Hier ist Rhodos“ wird der Bogen zu den griechischen Inseln gespannt, die Antike ist präsent, ihre Götter werden beredt. Mit dem dritten Kapitel „Das Grab des Wächters“ erfolgt ein Sprung nach Wales und Nordwestdeutschland. Der Nordwind überstreicht das Gebiet, keltisch-germanisches Heidentum klingt an. Und in Böhmisch-Krumau wird das Blei zu Gold. Das vierte Hauptstück „Das Gesicht der Eule“ verweilt in Westeuropa (Andalusien und Bretagne). Hier werden Motive der islamischen Welt sowie der Jungsteinzeit aufgegriffen. An das Neolithikum mit seinen Grabhügeln scheint das Alte Ägypten zu erinnern, dies wird in einer eigenen Gedichtfolge thematisiert. Das fünfte Kapitel „Die Burg des Zaunkönigs“ enthält naturlyrische Elegien, die in den mittleren Teil Deutschlands führen. Der Abschnitt „Die Klage der Gorgonen“ bietet den von altgriechischer Überlieferung geprägten sizilianischen Doppelzyklus. Edition Arnshaugk bei Engelsdorfer, Leipzig 2008, ISBN: 3-86703-752-3
Die Rabenfibel (Gedichte und Graphiken) Aus der Zeit des Thüringer Königreichs (im 5. und 6. Jhd. n. Chr.) gelangten wertvolle Fundstücke in die Museen, etwa eine Vogelfibel, die Bernsteinperle mit Runeninschrift oder ein Rüsselbecher. Sie regten, neben anderem Material aus früheren Epochen, den Bildenden Künstler Walter Werneburg (1922 bis 1999) und seinen Sohn, den Lyriker Joachim Werneburg (* 1953), zu einem umfassenden künstlerischen Werk an, das nun unter dem Titel „Die Rabenfibel“ vorliegt. Mit dem Wort „Fibel“ ist hier eine frühgeschichtliche Gewandspange gemeint, aber auch ein ABC-Buch, in dem die grundlegenden Dinge dieser Welt in Wort und Bild versammelt sind. So versetzt der Zyklus „Die Laute“ mit den „Saiten“ Raum - Natur - Eden - Abfall - Geschichte - Endzeit den gesamten Kosmos in Schwingung. Die Folge „Kupferberg“ lädt zu einem Abstieg in der Erde, in ihre Urgeschichte, ein, aber auch in die Tiefe der menschlichen Psyche. Die Frühgeschichte Europas wird neben der Gedicht- und Blattfolge „Die Rabenfibel“ auch durch „Slawische Tänze“ oder eine Arbeit über die Alten Skythen („Die Schlangenfüßige Göttin“) thematisiert. „Worte. Lutherisch“ und „Babel“ erinnern an den Umbruch im Mitteleuropa des 16. Jahrhunderts, der bis in die Gegenwart wirkt. Zyklen wie „Der Gelbe Fluß“ oder „Die Reise nach Südost“ führen ans andere Ende der Welt, nach China. Walter Werneburg begleitete die Dichtungen seines Sohnes mit expressiven Radierungen (Aquatinta und Kaltnadelstich). In fünfzehn Jahren entstanden einundzwanzig solcher Zyklen. Sie sind formal den Künstlern der klassischen Moderne, wie Alexej Jawlensky, Franz Marc oder August Macke, verpflichtet. Scidinge Hall Verlag, Zürich 2010, ISBN: 978-3-905923-05-6
Wort und geschwungene Linie (Kurzprosa)
Der Graphiker Walter Werneburg (1922 bis 1999) nahm sich im Jahr 1979 einige Epigramme seines Sohnes Joachim mit Themen wie „Genesis“, „Pythagoras“ oder „Venedig“ vor und schuf danach expressive Druckgraphiken. Bald schon fragte er nach den nächsten Texten. Daraus entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die über viele Jahre anhalten sollte. Es entstanden einundzwanzig Zyklen nach den Dichtungen des Jüngeren. Diese Graphiken sind formal den Künstlern der klassischen Moderne, wie Alexej Jawlensky, Franz Marc oder August Macke, verpflichtet. Zuvor hatte Walter Werneburg bereits ein umfangreiches aquarellistisches Werk geschaffen. Die Thüringer Landschaftsmaler Otto Knöpfer, Otto Paetz und Franz Markau waren ihm Lehrer und Anreger. An der Pädagogischen Hochschule Erfurt unterrichtete er Tiefdruckverfahren, was sich produktiv auf die eigene künstlerische Arbeit auswirkte. Diesem Band sind Reproduktionen von Druckgraphiken Walter Werneburgs aus verschiedenen Schaffensperioden beigegeben. Der Sohn Joachim Werneburg (*1953) hat in seinem poetischen Werk eine Mythologie Thüringens geschaffen, sie umfaßt dessen germanische Frühgeschichte, aber auch die Pflanzen- und Tierwelt. Für die künstlerische Zusammenarbeit spielten ebenso die Dichtungen nach Motiven aus der Welt der heidnischen Slawen, Skythen oder des mittelalterlichen Böhmen eine Rolle. Für den vorliegenden Band hat der Autor Notizen aus seinem Arbeitsjournal zusammengestellt, die sich mit der gemeinsamen künstlerischen Arbeit befassen. Dazu gehören auch Überlegungen zum Werk anderer Bildender Künstler, die zumeist Gegenstand ihrer Gespräche waren. Eine frühere Textfassung aus dem Jahr 1997 wurde für diese Ausgabe um bisher nicht festgehaltene Erinnerungen ergänzt. Scidinge Hall Verlag, Zürich 2010, ISBN: 978-3-905923-02-5
Das Kupferbergwerk. Fragmente von
1977 bis 1989
Ein
stillgelegtes Kupferbergwerk - nebenan wohnte Joachim Werneburg (*1953), ein
Student in Ilmenau. Jahre später dichtete er seine „Einfahrt“ in die Zeche, den
Verszyklus „Kupferberg“. Die Erdrinde mit versteinerten Tieren und Pflanzen
zeigte sich ihm geschichtet - wie die menschliche Psyche. In seinen Gedichten
schuf Werneburg bald eine Mythologie Thüringens, die neben der Natur auch
dessen Geschichte einschließt („Thüringer Meer“, 1991). Die Stationen dieser
Arbeit zeichnete er auf, berichtete auch über seine Zeit als Autor unter den
Bedingungen der Diktatur des Proletariats.
Der Band „Das Kupferbergwerk“ präsentiert nun diese Aphorismen, Fragmente und
kleinen Abhandlungen aus den Jahren 1977 bis 1989, die dem Arbeitsjournal
Joachim Werneburgs entnommen sind. Sie geben Einblick in das Laboratorium der
Worte, das Spiel der Gedanken, die Geometrie der Sätze. Schriftstellerische
Praxis und Erkenntnisdrang gehen dabei ein Bündnis ein. Auch zur Biologie,
Physik, bis hin zur Elektronik werden Verbindungslinien sichtbar. Der Autor hat
eine Universalpoesie im Sinn, die Naturwissenschaft, Philosophie und Dichtung im
Zusammenhang sieht. Auffällig ist sein produktives Verhältnis zur Bildenden
Kunst. Walter Werneburg (1922 bis 1999), der Vater des Autors, schuf
Graphikzyklen zu den Gedichten. Einer davon - „Kupferberg“ - ist dem Band in
vierzehn Reproduktionen beigegeben.
Eine Reihe von Fragmenten beschäftigt sich mit der Literatur des Alten China.
Werneburg dichtete Ende der achtziger Jahre einen Teil des Werks von Pe-lo-thien
(Bai Juyi, 772 bis 846) nach. In diesem widerspruchsvollen Menschen, einem
kaiserlichen Beamten, dessen Naturlyrik auch die Armut einfacher Menschen
beklagt, erkannte er einen Wahlverwandten. Und so wenden sich die Texte des
Bandes „Das Kupferbergwerk“ ebenso gegen die Willkür despotischer Herrschaft -
wie gegen die Kommerzialisierung der Öffentlichkeit, die vor keiner Grenze halt
macht.
Scidinge Hall Verlag, Zürich 2011, ISBN: 978-3-905923-08-7
Weitere Veröffentlichungen
1985 In: "Blätter aus dem Baumbachhaus", Anthologie, ausgewählt von Walter Werner
1988 Gedichtzyklus "Kupferberg" in der Samisdat-Zeitschrift "Braegen", Heft 1, Berlin, herausgegeben von Vrah Toth
1993 In: "Der Morgen nach der Geisterfahrt", Anthologie, mit einem Vorwort von Walter Werner, Verlag Weisser Stein Greiz
1996 In "Eintragung ins Grundbuch. Thüringen im Gedicht", ausgewählt von Wulf Kirsten, Hain Verlag Rudolstadt & Jena
1999 "Notizen auf der Felswand - aus den Jahren 1990 bis 1995" (Fragmente), Edition Dornheim Erfurt "Etruskisches Tarot" in: "Wandern über dem Abgrund. Jakob van Hoddis nachgegangen", herausgegeben von Wulf Kirsten, quartus-Verlag, Bucha bei Jena
2000 Seit diesem Jahr mehrere Veröffentlichungen in "Palmbaum - Literarisches Journal aus Thüringen", quartus-Verlag
2009 "Die Insel der Medusa" in: "Diktynna. Jahrbuch für Natur und Mythos", Edition Arnshaugk München
"Der Aurorafalter" in: "Arnshaugk. Ein Lesebuch", Arnshaugk Verlag
Literatur über Joachim Werneburg
Agthe, K. "Das Hohelied des Mythos", Palmbaum. Literarisches Journal für Thüringen, 2/2008
Agthe, K. "Zu den Gedichten von Joachim Werneburg". In: Schüly, W. "Natursprache. Deutsche Naturdichter der Nachkriegszeit", Arnshaugk Verlag, Neustadt an der Orla 2009
Bigalke, D. Rezension über das Buch "Das Zeitalter der Eidechse". Webcritics 2008 [1]
Bigalke, D. Rezension über das Buch "Die Klage der Gorgonen". Webcritics 2008 [2]
Fechner, D. & Völkerling, H. (Hrsg.). "Thüringer Autoren der Gegenwart", Quartus-Verlag, Bucha 2003 Huth, M. "Lyrik
eines poetischen Harfenisten. Joachim
Werneburg mit Gedichten zwischen Thüringen und Mittelmeer", Thüringer Allgemeine,
4. Februar 2010 Wolf, D. "Wort und geschwungene Linie", Das Lindenblatt. Jahresschrift
für Schöne Literatur, 2011
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